„Befall 001“ am 15.12.2005 von 19.00 – 22.00 Uhr

Die Kunstformation Netzwerkvirus befällt am 15.12.2005 von 19.00 – 22.00 Uhr die Räume der "Ambassadors of Culture" und stellt Momentaufnahmen und Positionen ihres künstlerischen Arbeitens vor. Netzwerkvirus beteiligt sich damit am Diskurs über die Bedeutung einer globalisierten und digitalisierten Kultur. Verschiedene Arbeitsansätze der Medienkunst über die Veränderungen für Gesellschaften und Individuen werden angesprochen, erkundet und in den Raum gestellt: Welche Körper werden z.B. in der Kommunikationsgesellschaft gebraucht? Oder wie konstituiert sich Identität in der Informationsgesellschaft?

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"cluster2", 1-Kanalvideoinstallation von sandrabecker01

„Ambassadors of Culture“ – Kommunikationsplattform
Brunnenstr. 188-90 (1. OG im Gebäude der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur)
10119 Berlin

ausstellende KünstlerInnen:
Sandra Becker 01 | Heike Hamann | Regine Hilt | Susanne Kienbaum | Beate Klompmaker | Yvonne Paul | Gertrud Schrader

Ausstellung Otto Nagel Galerie

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In der Ausstellung ‚Biopsie_Befall 004’ sind Biographien der Unter-suchungsgegenstand. Methodisch analog zum chirurgischen Eingriff dringen die vorgestellten Arbeiten in das Gewebe menschlichen Daseins ein. Der Blick auf die Biographie analysiert und reflektiert die Existenz
in ihrer jeweiligen Zeit. Die Konturen der eigenen und fremden Identität werden geschärft.

Medienkunst in Berlin, eine Standortannäherung

Warum Medien, warum Kunst, warum Berlin?
Diese Frage habe ich mir bislang nicht gestellt, sondern habe
kontinuierlich seit zehn Jahren produziert – so wie viele anderen Designer, Künstler und Netzspezialisten.
Zwischenzeitlich habe ich mir Statistiken angeschaut und dabei erfahren, daß Berlin im IT-Bereich weit höhere Nutzungszahlen aufweist als der bundesdeutsche Durchschnitt. Was die Produktion von Kunst angeht, verhält es sich ähnlich: Immer wieder wird festgestellt, daß es zwar kein Kaufpublikumin Berlin gibt, doch eine hohe Zahl der Kunstproduzenten hier arbeitet. Es gibt konkrete Untersuchungen von u.a. dem Bundesverband Bildender Künsler, welche diese Situation analysiert haben. Als Gründe für die hohe Kunstproduktion in Berlin werden genannt: bezahlbare Produktionsorte, günstige Ateliermieten, internationale Vernetzung und die kreative Gesamtsituation einer Stadt, die sich in stetiger Veränderung befindet und mit anderen internationalen Städten kooperiert.
Langsam begreife ich, daß meine Arbeit nicht ganz so einzigartig ist, wie sie manchmal erscheinen mag, sondern durchaus etwas mit der speziellen Situation in Berlin zu tun hat. Worin besteht diese spezifische Situation?
Ost und West treffen hier auf engstem Raum aneinander, was mit einem gesamtgesellschaftlichen Wertewandel und der damit verbundenen Verunsicherung einhergeht. Hier ist Altes nicht mehr festgefahren und das Neue noch nicht erprobt. Der Alltag zeichnet sich durch einen für deutsche Verhältnisse hohen Grad an Improvisation aus. Die Improvisation erfordert ständige Kreativität. Alles ist in Bewegung, alles erscheint möglich, aber nichts ist fertig. Eine ideale Situation für Existenzgründer: sie können sich neu kreieren, weil sich alles in Veränderung befindet. Vielleicht liegt Berlin mit seinen chaotischen Strukturen auch gar nicht mehr in Deutschland. Es widerspricht so sehr alteingesessenen deutschen Wertvorstellungen von Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit, daß es wohl eher einem Entwicklungsland in Südamerika oder Asien gleicht, wo der Alltag äußerst schwierig ist, doch die Internetverbindung den Nabel zur Welt darstellt.
Auch im Netz gibt es zu erklemmende Schwierigkeiten von ständig neuen Plattformen und mangelnder Umgangserfahrung. Der Ort Berlin ist ähnlich schwierig und komplex wie das Arbeiten am Rechner. Gleichzeitig liegen die Kulturlandschaft Berlin ebenso wie die Netzkultur mitten im Trend und werden von vielen Trittbrettfahrern als schicke Schönheitswelle genutzt. “Content is missing” nannte ein Bekannter von mir seine Website, um einen Gegenakzent zu setzen.
Warum Medienkunst?
Es gibt doch wesentlich einfachere Kunstformen als diese zumal der Kunstmarkt noch nach Kriterien des 19. Jahrhunderts funktioniert. Wie oft wurde mir geraten, Leinwände mit Ölfarbe zu bepinseln, weil diese leicht konsumierbar und somit leichter verkäuflich sind?
Doch gibt es beim künstlerischen Arbeiten auch noch andere Kriterien als die der Verkäuflichkeit. Ich verstehe meine künstlerische Arbeit als eine Reflektion gesellschaftlicher Wahrnehmungscodierungen. Alles bewegt sich derart rasant, daß ich versuche, mit meinen Bildern einen kurzen Stillstand
zu erzeugen, um bewußt wahrnehmen zu können. Die mediale Auseinandersetzung ist dabei ein Experimentierfeld mit Wahrnehmungsgewohnheiten.
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"Warteraum" von Sandra Becker 01
(Der Text erschien bei itXnetz-berlin in 2005.)

Peter Weibel über Medienkunst:

Peter Weibel hat zur Ausstellung "Postmediale Kondition", Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz vom 16.11.05 - 15.1.06 einen lesenswerten Artikel über Medienkunst geschrieben:

„Zu den wesentlichen Erfolgen der neuen technischen Medien, Video und Computer, wie der alten technischen Medien, Fotografie und Film, zählen nicht nur, dass sie neue Kunstbewegungen initiierten und neue Kunstmedien, neue Ausdrucksmedien schufen, sondern auch, dass sie eine entscheidende Wirkung auf die historischen Medien wie Malerei und Skulptur ausübten. Insofern bildeten die neuen Medien nicht nur einen neuen Ast am Baum der Kunst, sondern sie haben insgesamt den Baum der Kunst verändert. (…)“

(Auszug aus dem Pressetext / Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum)
Der Artikel ist in voller Länge nachzulesen unter
http://www.art-in.de/incmeldung.php?id=1018

Netzwerkvirus - Networking

Das Motto "gemeinsam sind wir stärker" hat schon zu vielen Gruppen geführt, die gesellschaftlich etwas verändern wollen. Da besonders im Medienbereich KünstlerInnen recht isoliert vom allgemeinen Kunstbetrieb agieren und dadurch kaum wahrgenommen werden, hatte ich den Gedanken, eine gezielte Vernetzung zur Realisierung von Projekten zu bilden. Das Netzwerkvirus soll Einzelne, die im Medienkunstbereich arbeiten, zusammenführen mit der Idee, sich gegenseitig zu unterstützen. Medienkunst ist hier weit gefasst: Produktion, Projektleitung, mediale Statements, stilles und bewegtes Bild, Sound, Installation, Medienwissenschaft, IT, Kuratorisches, Storyboarding, Animation, Organisation und Technik. Es gibt viele Netzwerke, welche fertige Arbeiten präsentieren. Das zu gründende Netzwerk soll sich jedoch in erster Linie um die Produktion kümmern, um die Entstehung von Medienkunstarbeiten.

netzwerkvirus

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Befall in der Kunsthalle

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Zuletzt aktualisiert: 13. Okt, 21:43